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Stillförderung Schweiz

Fachtagung «Stillen und Sexualität»

3. September 2021  |  Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Zürich

Eintreffen, Austausch und Imbiss ab 11:30 Uhr | Tagungsbeginn 13:00 Uhr

Programm

Anmeldung

Credits: 5 e-log (BSS, SBK-ASI, SHV/FSSF/FSL)
               3 SVDE
               Cerp IBCLC angefragt

Stillen und Sexualität

Wie funktioniert die Empfängnisverhütung während der Stillzeit? Wie erleben und gestalten Paare ihre Intimität vor und nach der Geburt ihres Babys?

Diese und andere Fragen rund um die Sexualität während Schwangerschaft und Stillzeit sind oft mit Tabus behaftet. An der Fachtagung «Stillen und Sexualität» erhalten Stillberaterinnen und weitere Fachpersonen Inputs und Grundlagenwerkzeuge, wie sie das Thema in ihrem Beratungsalltag sensibel ansprechen und begleiten können. Als eine Möglichkeit zur Empfängnisverhütung während der Stillzeit wird die  Laktationsamenorrhö-Methode (LAM) näher vorgestellt.

Weitere Themen der Fachtagung sind die Begleitung von Regenbogen-Familien aus dem LGBTQ+-Spektrum sowie das Adoptivstillen.






Sexualität in Schwangerschaft und Stillzeit
Dr. med. Gundula Hebisch, Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH, leitende Ärztin Geburtshilfe, Frauenfeld


Während der Schwangerschaft und nach der Geburt kommt es zu enormen körperlichen, mentalen und sozialen Veränderungen bei der Frau. Sie bereiten dem neuen Wesen den Boden für eine ungestörte Entwicklung im Mutterleib und in den ersten Monaten nach der Geburt, zugleich soll die Schwangere bzw. Neumutter jedoch weiterhin Partnerin des (zukünftigen) Kindsvaters sein.


Wie sehen Rollen- und Aufgabenverteilung während dieser Phasen aus? Wann ist Geschlechtsverkehr verboten und wann nicht? Wie sich die Paarbeziehung ändert, ob und wie das Liebespaar als solches weiterbesteht, hängt sehr von Kulturkreis und Religion ab. Chatrooms verbreiten oft Unwahrheiten, steigern den Druck auf die Schwangere bzw. Wöchnerin. Andererseits zeigt die Frau nach Schwangerschaft und Geburt häufig grösseres Selbstbewusstsein, mehr Mut zu Neuem. Während der Schwangerschaft und nach Abschluss der Familienplanung erlebt sie oft eine erfülltere Sexualität als sonst. Welche Faktoren förderlich und welche dabei hinderlich sein können, damit beschäftigt sich dieser Vortrag.


Empfängnisverhütung in der Stillzeit: Die Laktations-Amenorrhoe-Methode LAM und andere -  was gilt es zu beachten ?

Dr. med. Cora A. Vökt, FMH Gynäkologie und Geburtshilfe, SP Feto - Maternale Medizin, IBCLC

 

Stillen ist die älteste Form der Empfängnisverhütung und hat schon immer dazu beigetragen, die Abstände zwischen den Geburten zu verlängern und damit die mütterliche und kindliche Gesundheit zu verbessern. Die WHO empfiehlt deshalb ein Mindestintervall zwischen der letzten Geburt und der Konzeption von 2 Jahren.

Nach der Geburt kehrt die Fruchtbarkeit erst allmählich wieder zurück.


Bei nicht stillenden Frauen kann aber bereits 3 – 4 Wochen nach der Geburt die erste Ovulation wieder auftreten, sodass bei diesen die Kontrazeption bereits 3 Wochen postpartum begonnen werden sollte.


Bei voll stillenden Frauen verzögert sich der erste Eisprung, ist aber schwer zu kalkulieren und individuell verschieden. Wird ausschliesslich gestillt, nicht zugefüttert und sind die Stillintervalle tagsüber und nachts nicht zu lange, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, in den ersten 6 Monaten postpartum wieder schwanger zu werden unter 5 %, sofern keine Menstruation in dieser Zeit auftritt. Je länger die Geburt zurückliegt, desto eher kann es auch ohne Regelblutung zu einer neuerlichen Schwangerschaft kommen.


Die meisten Frauen nehmen ihre sexuelle Aktivität 6 Wochen nach der Geburt wieder auf. Deshalb ist es wichtig, bereits zum Zeitpunkt der Entlassung aus dem Spital/ dem Geburtshaus bzw. bei der Betreuung nach Hausgeburt, die kontrazeptiven Bedürfnisse und Pläne der Frau anzusprechen und in die Wege zu leiten.

Der ideale Zeitpunkt für den Beginn einer kontrazeptiven Methode hängt auch von der Methode selbst ab, da gewisse hormonelle Methoden die Laktation beeinflussen und beeinträchtigen. Auch müssen bei der Wahl der Verhütungsmethode die individuellen Wünsche und persönlichen Risikofaktoren berücksichtigt werden.


Für die Empfängnisregelung gibt es auch in der Stillzeit viele Möglichkeiten, deren Pros und Cons im Vortrag behandelt werden.


Stillen bei lesbischen Paaren, Transmenschen, Adoptivstillen
Eva Kaderli, Hebamme, Co-Präsidentin Dachverband Regenbogenfamilien


In den Medien, in den Schulen, im Gesundheitswesen, in der Politik und in der Gesetzgebung werden die traditionelle Kernfamilie und eine heterosexuelle Lebensform immer wieder als gesellschaftliche Norm zum Vorbild genommen. Doch die Realität ist vielfältiger: Auch lesbische, schwule, bisexuelle und Transmenschen und ihre Kinder bilden Familien.


Im Kontakt mit Fachpersonen erleben Regenbogenfamilien nicht selten die Situation, dass ihr Gegenüber ein unzureichendes Wissen besitzt über die Lebensrealitäten ihrer Familienform. Die nötige Erklärungsarbeit kann für die Eltern zusätzlich belastend sein oder gar bedeuten, dass sie ein Angebot nicht nutzen. Andererseits kann der Mangel an Wissen bei Fachpersonen ein Unbehagen auslösen, was sich auf die Beratungsqualität auswirkt. Wie kann die real existierende Vielfalt der Familien und Lebensformen stärker berücksichtigt werden und welche Chancen ergeben sich daraus?


Als Regenbogenfamilien bezeichnen sich Familien, in denen sich mindestens ein Elternteil als lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder queer* versteht. Auch intergeschlechtliche Menschen, die Eltern sind, sehen ihre Familie teilweise als Regenbogenfamilie. Regenbogenfamilien können aus ein, zwei oder mehreren Elternteilen (Co-Elternschaft oder Fortsetzungsfamilien) mit Kindern bestehen. Fachpersonen schätzen, dass in der Schweiz bis zu 30’000 Kinder in Regenbogenfamilien aufwachsen.


Hintergrundwissen, Empathie und Selbstreflexion sind wichtige Kompetenzen in der Betreuung von lesbischen Müttern, Transmenschen und Adoptiveltern.

Welche Sprache nutze ich? Wie beziehe ich die Partnerin der stillenden Frau ein? Wie begegne ich einem Transmann, der stillt, und wie begleite ich die Familie? Was ist bei einer Adoptivfamilie zu beachten?


Diese Fragen werden im Referat behandelt und die Teilnehmenden erhalten dadurch ein Stück Hintergrundwissen.


Psychologische Aspekte, Paarzufriedenheit
Prisca Walliser, Hebamme, Sexualpädagogin und
Sexualtherapeutin

Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Elternschaft setzen die Sexualität eines Paares auf den Prüfstand: Das kleine Lebewesen, das Tage und Nächte bestimmt, Rollenfindung, Geburtsverarbeitung, unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse, Stillen, «die erogenen Zonen sind vom Baby besetzt».


Stillberaterinnen begleiten eine Frau bzw. ein Paar häufig über einen längeren Zeitraum und sind nahe an den Fragen und Themen der Paare. Im Referat erhalten die Teilnehmenden ein Grundlagenwerkzeug zur lösungsorientierten Beratung: Wie kann das Thema Sexualität sensibel angesprochen und begleitet werden?


Sie erhalten Fachwissen zu sexuellen Reaktionsmustern und häufigen Problemen, können Anliegen von Frauen und Männern differenzieren und stärken ihre Beratungskompetenz in Fragen zur Sexualität.


Finanzielle Unterstützung: Gesundheitsförderung Schweiz, EFFIK, ARDO, Nutrolife GmbH



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